Die ersten, wichtigsten Lebensabschnitte eines Hundes (welpenbilder by http.//wakina-dini.ch)

Die Ausbildung eines Hundes beginnt prinzipiell mit dessen Geburt und endet mit dessen Ableben.

 


Während den ersten zwei Wochen, der sog. neonatalen Phase entwickelt sich der Geruchsinn und die Augen öffnen sich. In der Übergangsphase ab ca. 2 Woche erfolgen die ersten Steh- und Gehversuche und eine erste rudimentäre Hörfähigkeit entwickelt sich. Die anschliessende Sozialisationsphase, in etwa ab der 3-4 Woche ist durch Explorationsverhalten geprägt. Dabei beginnen die Welpen Erfahrungen mit Geräuschen, Gerüche, den Geschwistern und allgemein mit der Umwelt und den Menschen zu machen. In der Regel werden Welpen ab der 8 -10 Woche abgegeben. Aus wissenschaftlicher Sicht wird der optimale Abgabezeitpunkt ab der 12-14 Woche empfohlen. Diese Phase wird auch die sensitive Phase genannt und erstreckt sich hin bis in die Juvenile Phase, also bis 20-24 Lebenswoche, hinein. Für die weitere Entwicklung des Hundes ist diese sensitive Phase von äusserster Wichtigkeit und ausschlaggebend für die weitere Entwicklung des Junghundes. Das in dieser Phase kennengelernte und die erlebten Reize und Konfrontationen, die erlernte Sequenzen und das Durchleben von Situationen und Stressfaktoren, haben eine ausgeprägte Konstanz für das gesamte spätere Leben. Sie sind oftmals bleibend und prägen ein Hund ein Leben lang.

Auf Grund dieser Erkenntnisse erscheint es mir von äusserster Wichtigkeit, als Züchter einerseits, andererseits als  Hundetrainer, ein besonderes Augenmerk auf die „Ausbildung“ von Welpen und Junghunde zu legen.

So sind Welpenprägungs-Spielgruppen und Junghundegruppen, sofern sie qualitativ gut geleitet sind sehr empfehlenswert und das wertvollste für die Entwicklung der Welpen und Junghunde. Das so wichtige gesunde Sozialverhalten kann erlernt und gefestigt werden. Es bildet sozusagen das Grundfundament im Leben eines Hundes.


Welpenspielgruppen

In der Welpengruppe sollte viel Raum gegeben werden für innerartliches Spielen. Dies ist wichtig für das erlernen und festigen der Kommunikation, Verhaltensweisen und sozialen Interaktionsregeln. Wichtig ist, dass strukturierte Spielsequenzen zwischen den Hunden, auch unter Einbezug der Menschen (je nach Sequenz) wie auch das behutsame spielerische Heranführen an verschiedenen Umweltreize, die Erhöhung der Ablenkung und erste Erziehungsspiele jeweils eingebaut werden. Zwischen den einzelnen Spielsequenzen ist es ebenso wichtig geeignete Ruhephasen im sog. „Sicheren Hafen“, also im Schutz des Besitzers, in Kombination mit den ersten Übungen zur Impulskontrolle und Frusttoleranz einzuleiten.

Neben all dem, sollte die Welpengruppenleitung entsprechende Fachkompetenz und theoretisches Basiswissen vermitteln können, damit die Hundebesitzer ihre „Kleinen“ besser verstehen können, das Hundeverhalten korrekt zu erkennen und sie in die Lage versetzt werden, je nach Situation angepasst zu agieren oder zu reagieren. Die Wissensvermittlung resp. die Ausbildung der Besitzer ist in dieser Phase (insbesondere bei Ersthundebesitzer) ebenso wichtig wie die Sozialisation der Welpen.

Eine gute Welpenspielgruppe zeichnet sich durch folgende Qualitätskriterien aus:

  • Anzahl der in der Gruppe vorhandenen Welpen, resp. Gruppengrösse (max. sind ca. 4-6 Welpen pro Sequenz sinnvoll, mehr kann ein einzelner Trainer, resp. auch die Tier nicht mehr im Blick behalten)

  • Möglichst heterogene Gruppen (verschiedenste Hunderassen)

  • Bei der Zusammenstellung der Spielsequenzen/Gruppeneinteilung wird unter anderem auf Grössenunterschieden, rassentypischen Merkmalen, Entwicklungsstand und Wohlbefinden des einzelnen Hundes aber auch des Besitzers Rücksicht genommen

  • Das „Spielen“ soll zu jeder Zeit kontrolliert stattfinden. Die Welpen sollen, auch mit hoher Intensität, raufen, balgen und toben dürfen. Nur so werden sie ihre Grenzen ausloten können und werden dann auch entsprechende innerartliche Kommunikation und wichtiges Sozialverhalten erlernen. Eine kompetente Gruppenleitung zeichnet sich dadurch aus, dass sie jeweils situativ eingreifen kann/soll und zu entscheiden vermag ob das Spiel tolerierbar ist oder nicht. Die Spielsequenzen sollen ja nicht nach dem Mott ablaufen „Die müssen das unter sich ausmachen“. Nein absolut nicht. Das kann fatale Folgen haben.

  • Kurze Spielsequenzen, danach wieder Ruhephasen (sicherer Hafen, Schutz und Geborgenheit). Dies auch gerne in Kombination mit Impulskontrolle und Frusttoleranz Übungen. (Zwei Gruppen, bei welchen die Welpen abwechselnd miteinander interagieren dürfen. Während die einen spielen, ruhen sich die anderen aus und schauen dem Treiben der Anderen zu)

  • Dosierte und spielerische Umweltreizübungen (Olfaktorisch, Taktil, Gleichgewichtsübungen, akustische Reize, etc.), keinen Zwang auf die Welpen ausüben

  • Lockere, entspannte Atmosphäre

  • Die Welpen sollen dosiert mit verschiedensten Reizen konfrontiert werden. Weniger ist mehr. Mehrere Einheiten pro Woche sind zielführender als eine lange einzelne Lektion. Entsprechende grosszügige Ruhe Phasen für den Welpen sollten berücksichtigt werden (keine zusätzliche Aktivitäten gespickt mit neuen Reizen)

Der Besuch verschiedener Anbieter von Welpengruppen macht Sinn um sich ein Bild vom Ablauf der jeweiligen Welpengruppe zu machen. Da wo man sich wohlfühlt, nützliche Tips und Fragen kompetent und sachkundig beantwortet bekommt, ist man meistens gut aufgehoben. Es ist empfehlenswert die Wahl einer Welpengruppe/Hundeschule im Vorfeld der Anschaffung eines Welpen zu treffen. Eine gute Hundeschule kann Sie auch in Bezug auf die Rassen, die ersten Tage mit dem Welpen, etc. beraten. 


„Flegeli“-Gruppen

Als Zwischenschritt oder Vorstufe in der Ausbildung zum Junghund ist die Flegeli-Gruppe. ideal um die Sozialisierung der Jungen Hunde und deren Entwicklung einen weiteren positiven Charakter und Richtung zu verleihen.

Spielen kann als Vorbereitung auf unerwartete Situationen gesehen werden. Immer wieder wird durch Spielen das „was wäre wenn“ ausprobiert. Dabei lernen die Hunde ihr eigenen Körper kennen und diesen zu kontrollieren. Sie stärken dadurch auch ihr räumliches Sehvermögen.

Hunde müssen in dieser Junghundephase (je nach Rasse bis ca. 9. Mte) die Möglichkeit haben auf Hindernisse zu Klettern, von Hindernissen herunterzuspringen, unter Hindernissen durchzukriechen und über diese hinüberzuspringen. Das ausgiebige nach Lust und Laune über die Felder springen und rennen zu können gehören genauso dazu wie das Spielen mit anderen Artgenossen.

Im Spiel mit Artgenossen werden Rollenwechsel geübt, „Jagdspiele“ veranstaltet, Selbsthandicap geprobt. Spielsignale, Warnsignale, spielerisches Knurren und Bellen werden geübt und zum Besten gegeben. Es darf auch mal etwas heftiger zu und her gehen. Im Spiel wird eine ganze Reihe von Verhaltensweisen unterschiedlichster Bedeutung kombiniert und erlernt. So werden innerhalb kurzer Zeit zwischen Raufen und Balgen, Anspringen und Schütteln, sexuellen Akten, sozialer Körperpflege und einem heftigen Rennen Aktionen gewechselt werden, ohne dass ein systematischer Bezug zum vorangehenden Verhalten erkennbar ist. Dies alles wird aber nur dann geschehen wenn eine Stressfreie und entspannte Stimmung in der Gruppe herrscht. Diese Spielaktivitäten, sollten genauso wie die Welpengruppe, von sachkundigen Leitern stets überwacht werden und den Hundebesitzern mit Rat und Tat unterstützend zur Seite stehen.

Genauso wichtig wie das Spielen mit Artgenossen ist das Spielen mit dem Besitzer oder mit dem Menschen. Diese wichtige Interaktion zwischen Hund und Besitzer fördert die Bindung. 

Speziell bei der Hundeschule Wolfsrudel.ch wird das spielerische Abrufen des Zöglings aus allen möglichen Situationen, mit Ablenkung und ohne geübt. Ziel ist es, dass der „Flegel“ aus jeder und in jeder Situation abrufbar ist.

 

Junghund-Ausbildung

Der Fokus der Ausbildung liegt in der Alltagstauglichkeit der Hunde. Der Hund soll als Sozialpartner im Alltag integriert und Lenkbar sein. Dies setzt voraus, dass das Erlernte mit Konsequenz und Regelmässigkeit von den Besitzern im Alltag, also fern ab vom Hundetrainingsplatz, angewendet und geübt wird. Nur durch besuch der Junghundeausbildung wird kein Hund „Sitz“ oder „Platz“ oder „Bleib“ beherrschen 

Ist der Hund gefestigt können weitere Ausbildungen ins Auge gefasst werden. Zweifels ohne ist eine Grundausbildung, Grundgehorsam und Sozialisierung oftmals Voraussetzung für die weiterführende Spezialisierung des Hundes. Dies soll nicht heissen dass die Spezialisierung eines Hundes auf einem Gebiet nicht schon im Jugendalter stattfinden kann. Dies soll jedoch mit bedacht und Stufengerecht/Altersgerecht erfolgen. Vielfach bietet es sich an im Kontext der Spezialisierung eines Hundes die Grundlegenden Alltagskommandos und gewünschtes Verhalten zu üben und zu festigen. 

Am Beispiel eines Blindenhundes kann die Wichtigkeit eines gut sozialisierten Hundes gezeigt werden. Angehende Blindenhunde (Arbeitshunde) werden ca. die ersten 1.5 Lebensjahre bei einem Paten (muss bestimmte Kriterien erfüllen) aufgezogen und ausgebildet. Eine gute Grunderziehung und die Sozialisierung des Hundes sind die Hauptaufgaben der Paten, welche wiederum durch die entsprechenden Institutionen unterstützt werden. Nach der Grundausbildung werden die Hunde auf Eignung als Blindenhunde geprüft bevor sie die entsprechende Ausbildung beginnen können.

Spezialisierung in der Nasenarbeit

Die Wahrnehmung der Welt durch die Hunde erfolgt weitgehend über die Nase, resp. den vorhandenen Gerüchen. Durch die Nase informieren sie sich über andere Artgenossen, potentielle Fortpflanzungs-Partner, Nahrungsquellen uvm. Dieses Verhalten macht sich der Mensch zu nutzen, um seinen Hund artgerecht und sinnvoll zu beschäftigen. Mit der Nasenarbeit wird die Konzentration des Hundes gefördert. Die Hunde lernen ihre Aufmerksamkeit auf das gemeinsame Vorhaben zu fokussieren und setzen ihre Energie gezielt ein. Die gemeinsame Arbeit und die Steigerung der Kooperationsbereitschaft fördern die Teambildung zwischen Mensch und Hund. mantrailing-maramani